Ein heller Kopf

Der Umsatz steigt seit Jahren, jetzt wird Mawa-Design zum Wachstumschampion gekürt 

Michendorf – Sie heißen „Berliner Bratpfanne“, „Paul und Paula“ oder „Langer Kerl“. Jede Leuchte hat ihre eigene Geschichte, zusammen bringen sie der Leuchtenschmiede aus Langerwisch satten Erfolg. Mawa-Design gehört zu den Wachstumschampions 2016. Dazu hat sie jüngst das Magazin „Focus“ gekürt. Von 2011 bis 2014 hat sich ihr Umsatz um durchschnittlich 19 Prozent erhöht. In dem „Focus“-Ranking landet sie damit auf Platz 459. Insgesamt wurden 500 meist private Unternehmen gelistet.

Licht, das ist das tägliche Brot von Firmenchef Martin Wallroth. In Langerwisch, dem Standort von Mawa seit 39 Jahren, führt er Besucher durch mehrere dezent ausgeleuchtete Räume. Puristisches Design fällt ins Auge, ein Großteil der Lampen erinnert an Bauhaus-Entwürfe – schlicht, zeitlos und formschön gestaltet. Der alte Vier-Seiten-Hof in Langerwisch ist mittlerweile Showroom, die Produktion wurde vor drei Jahren nach Seddiner See ausgelagert.

Umgeben von Licht, sagt Wallroth trocken: „Zu viel Licht ist auch nicht gut, aber gedämpft, da geht es.“ Der Spruch ist von Fontane und trifft die Philosophie der innovativen Leuchtenentwickler recht gut. Licht sei gut, wenn man es kaum wahrnehme, erklärt Wallroth. Es soll dezent sein, seinen Zweck erfüllen und vor allem nicht blenden. Wallroth redet von Lichtfarbe, Farbwerten und von Licht, das sauber ausläuft, also keine Kanten macht und gleichmäßig ist. „Licht können alle, es geht uns um die Lichtqualität“, sagt der Lichtexperte.

Dass die Qualität und das Design der Langerwischer Leuchten überzeugen, zeigen mehrere Designpreise sowie prominente Auftraggeber. Siemens lässt seine Messestände von Mawa ausleuchten, die Fachhochschule Potsdam lässt ihre Studenten in der Golmer Bibliothek unter Mawa-Leuchten lernen, Kreuzfahrtgäste halten sich an Reelingen fest, die von Mawa erhellt werden. Und wer am Schalter der Schweizerischen Bundesbahn ein Ticket kauft, wird von Mawa-Licht angestrahlt.

Das Erfolgsrezept des kleinen Unternehmens mit seinen mittlerweile 42 Mitarbeitern: „Wir arbeiten in einem kleinen, speziellen Marktbereich und müssen Dinge machen, die sonst keiner kann.“ Nicht umsonst nennt sich Mawa Hightech-Manufaktur: Vor drei Jahren wurde in Spezialtechnik investiert, im siebenstelligen Bereich, sagt Wallroth. Aus der ganzen Welt würden Lichtdesigner nach Langerwisch kommen, manchmal auch nur, um ein Praktikum zu machen.

„Wir haben viel von Architekten gelernt“, erzählt der Firmenchef. Und die hätten keine Lust, eine Schraube zu sehen. Per Stecksystem sind viele Leuchten, besonders Wand- und Deckenleuchten, konzipiert. Falle ein Reflektor mal aus, müsste kein Werkzeug in die Hand genommen werden.

Das Know-how in Sachen Licht ist über die Jahre gewachsen, eine gute Entscheidung war es vor zehn Jahren, „an die Decke zu gehen“, wie Wallroth sagt. Damals hat Mawa-Design noch Accessoires vertrieben, Kerzenleuchter, Schalen, Uhren, aber auch Schreibtisch- oder Leselampen. „Es waren gute Ideen, aber wenig komplexe Produkte“, so Wallroth. Schnell gab es auf dem Markt neben dem Mawa-Original auch eine viel günstigere Kopie aus China. Das war der Zeitpunkt, als sich Wallroth darüber Gedanken machte, wie man wirklich Geld verdient: Mit intelligenter Deckenbeleuchtung, produziert für Großkunden. Obwohl der Umsatz nach wie vor zu 80 Prozent mit dem Handel gemacht werde.

Mawa-Leuchten haben ihren Preis: Die „Berliner Bratpfanne“, eine Stehlampe mit einem pfannenartigen Schirm, kostet ab 500 Euro, eine kleine puristische Schreibtischlampe ab 250 Euro. Günstiger sind da „Paul und Paula“, zwei Deckenleuchten im Stile des Berliner Klassizismus: Sie liegen bei rund 70 Euro.

Seine vier Wände mit zu viel Licht auszustatten, davon rät Wallroth ab. Es reiche ein allgemeines und ein spezielles Licht in einem Raum: also Deckenbeleuchtung und Leselampe zum Beispiel. Immer wieder sieht er in Häusern und Wohnungen „schreiende Leuchten“, die sollen viel hermachen, auffallen und blenden zu allem Übel auch noch. Besonders in Küchen werde seiner Meinung nach zu viel dieser „Schreier“ eingesetzt. „Paul und Paula“, die „Berliner Bratpfanne“ und selbst der „Lange Kerl“ sind da zurückhaltender – sie erfüllen ihre Funktion, nicht mehr und nicht weniger.

Erschienen am 02.01.2016 in PNN auf Seite 16, von Eva Schmid

Foto Martin Wallroth, CEO
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